Terrasse tumb
 

 

 



 

 

 

Feuchtl_Kunst

Der Maler Franz Feuchtl, dessen
Arbeit die Atmosphäre des
Hauses mitgeprägt hat.

 

 

 

 

Das Alte HAUS FEUCHTL bloggt

 

Eine Geschichte Teil 12

Gaestefoto

Ich mit der Bratschistin Judit Szabo, die es sich, nach einem Gastspiel bei den Salzburger Festspielen, heuer im August einige Tage bei uns  wohl sein hat lassen.

 

 

Geschrieben von Brigitte Niessner am 10 Mai. 2015 16:14 
Diesen Inhalt auf Google+ teilen  Diesen Inhalt auf Facebook teilen
 

 

Eine Geschichte Teil 11

Gluecksritter
Jetzt ist es endlich soweit! Jetzt kann man es in seiner ganzen Pracht
bewundern, das neue Wahrzeichen meines Hauses! Unseren wunderschönen
Glücksritter! Möge er uns und unseren lieben Gästen Freude und Glück
bringen!

Ich habe ihn auf einer Kunstauktion in Deutschland erstanden und er ist
einfach herrlich! Über und über mit Glückssymbolen wie französischen
Lilien, Akanthusblättern, Drachen und fliegenden Pferden verziert steht
er in unserer Eingangshalle und begrüßt die Gäste.

Mein Vater hat immer von Ritterspielen und Tafeln geträumt, voici, mein
lieber Vati, jetzt haben wir einen im Haus! Und was für ein Prachtstück!

Ich hoffe, du hast auch deine Freude daran, wo immer du jetzt bist! :-))

 

Geschrieben von Brigitte Niessner am 10 Sep. 2015 18:14 
Diesen Inhalt auf Google+ teilen  Diesen Inhalt auf Facebook teilen
 

 

Eine Geschichte 10
Gestern habe ich den Namen "Haus Feuchtl" in einer Nacht und Nebelaktion
in "Das Alte Haus Feuchtl" geändert.  Hört sich doch gemütlich an, oder?
Das Alte Haus Feuchtl. Es wird noch einige Tage dauern, bis man die
Änderung in allen Interneteintragungen sehen kann, aber ich stelle mir
vor, dass ich damit ganz gezielt Leute anspreche, die es gerne gemütlich
haben, altes Gemäuer und ein traditionell geführtes Haus lieben und
etwas nicht Alltägliches suchen.

Weil Gäste, die sich ein modernes 0815 Standardhotel vorstellen, werden
sich in meinem Haus wahrscheinlich nicht wohl fühlen. Das muss man schon
mögen, die verwinkelte Architektur, diesen altertümlichen Stil, wo kein
Raum dem anderen gleicht, die vielen, charmanten und immer wieder
überraschenden Nischen und Ecken, das polarisiert. Die einen sind so
begeistert, dass sie am liebsten ein Stück Wand oder Steinboden mit nach
Hause nehmen wollen, für die anderen ist es bloß irgend ein komisches,
altes Haus. Aber moderne Hotels gibt es ja wirklich genug. Da kann man
jeden Tag in Hunderten einchecken. So eines wie das Alte Haus Feuchtl
ist hingegen einzigartig. So etwas gibt es nur einmal. So einen Charme
und so eine Ausstrahlung findest du bestimmt in keinem der unzähligen
neuen Häuser. Und die Liebe mit der ich alles arrangiert und
hergerichtet habe, die spürst du auch auf Schritt und Tritt, wenn du
einen Sinn dafür hast. Wem das alles egal ist, der ist falsch bei uns,
der wird enttäuscht sein und nicht verstehen, wieso andere Gäste mein
kleines Hotel so hymnisch bewertet haben. Deshalb habe ich mir das mit
der Namensänderung überlegt. Damit wirklich nur diejenigen kommen, die
genau so etwas suchen. Gediegenheit, eine angenehm ruhige Atmosphäre,
kleine, aber super gemütliche Zimmer und ein fantastisches, nach seinen
individuellen Wünschen zusammen gestelltes Biofrühstück, untermalt von
Kerzenlicht und klassischer Musik.

Weil ich nämlich wirklich mein Herzblut dafür gebe, dass meine Gäste
sich bei mir wohlfühlen. Weil ich Tag und Nacht nichts anderes im Sinn
habe, als wie ich es ihnen noch ein bisschen angenehmer machen könnte.
Da ist man dann natürlich schon sehr enttäuscht und traurig, wenn man
merkt, dass man sich noch so anstrengen kann, es wird doch nie passen,
weil der Kunde sich halt ganz was anderes vorgestellt hat.

Mein Haus ist ja sehr klein und familiär geführt, da ist jeder Gast wie
ein Freund, man hat viel mehr Kontakt wie in einem großen, anonymen
Hotel und natürlich wünsche ich mir für meine ganzen Bemühungen, dass
man sie wahrnimmt und schätzt und sich bei uns wirklich wohlfühlt. Eine
nette Danksagung im Gästebuch, oder eine tolle Internetbewertung, da
laufe ich zur Höchstform auf. Das feuert mich an, wie nur was. Das macht
mich glücklich.
Geschrieben von Brigitte Niessner am 17 Apr. 2014 16:00
Diesen Inhalt auf Google+ teilen  Diesen Inhalt auf Facebook teilen
Eine Geschichte Teil 9

Die Gäste waren für meine Mutter Götter. Götter, für die sie sich, wenn sie es wünschten, noch um Mitternacht in die Küche stellte, um Salamibrote zu schmieren, oder Wiener Schnitzel herauszubacken, obwohl wir ja eigentlich nur Zimmer mit Frühstück angeboten haben. Sie hat ihnen die Hemden gebügelt, die Schuhe geputzt, ihre Hunde gesittet und auf die Kinder aufgepasst, während die Eltern in Wien waren. Sie hat jeden Tag die gesamte Bettwäsche der Gäste in den Garten geschleppt, damit sie am Abend gut riecht und einmal in der Woche sogar die Matratzen. Und das für durchschnittlich 30 bis 40 Leute. Der Vati musste Stadtrundfahrten machen und am Abend haben sie und ich im Kaminzimmer, das damals noch eine Terrasse war, Gesangsdarbietungen mit Wiener Liedern oder Operetten Arien zum Besten gegeben. Meine Mutter hat für ihre Gäste wirklich alles getan, was natürlich wesentlich zum Erfolg des Alten Haus Feuchtl beigetragen hat.  Jeden Tag frische Blumen im Zimmer, Geburtstagsgeschenke für die Gäste, gemeinsames Ostereier Suchen und zu Weihnachten für jeden ein Päckchen unter dem Christbaum. Das war meine Schule. So hab ich es gelernt, dass man mit den Gästen umgeht, und so mache ich es auch. Das sitzt mir in den Knochen, ich kann gar nicht anders. Die Bettwäsche und Matratzen schleppe ich allerdings nicht, wie sie, jeden Tag zum Auslüften in den Garten. Aber hätte ich das Haus vor 20 Jahren übernommen, wer weiß? 
Das ist ja alles sehr schön und fein, die Kehrseite der Medaille ist, dass man natürlich schon Anerkennung haben will, dafür dass man sich das alles antut. Wenn meine Mutter von den Gästen über den grünen Klee gelobt wurde, hat man alles von ihr haben können. Auf Kritik hingegen hat ihr Gefühlspendel ins Gegenteil ausgeschlagen. Da konnte sie wochenlang von nichts anderem reden, als wieso dieser Jemand so gemein war, sich über etwas, worüber kein anständiger Mensch auch nur ein Wort verlieren würde, auszulassen. Ich habe mich als Kind immer gewundert, wieso man in solche Lappalien, derartig viel Gefühlsenergie stecken kann. Heute, ich schäme mich, es laut zu sagen, geht es mir bei irgendwelchen ungerechten Kritiken auch so, dass sie mich völlig zerstören können. Dass ich am liebsten alles hinwerfen und zusperren würde. Aber dann kommt wieder jemand, der sich in Bewunderung und Lobeshymnen ergeht und alles ist vergeben und vergessen. 
Ja, so sind wir, da oben auf dem Berg, eigentlich durch und durch unprofessionell, aber so ein Haus zu führen ist ja auch viel mehr als ein bloßer Broterwerbsberuf, das muss man schon wirklich lieben, dafür muss man leben. So habe ich es gelernt und so führe ich es weiter. 

Geschrieben von Brigitte Niessner am 15 Apr. 2014 13:19
Eine Geschichte Teil 8


Meine Großeltern, kurz vor ihrem Tod
 
Meine Mutter als junges Mädchen beim Mundharmonika spielen




Meine Mutter mit 17 kurz vor ihrer Hochzeit
 
Onkel Anton, der Bruder meiner Mutter
Geschrieben von Brigitte Niessner am 14 Apr. 2014 07:36
Eine Geschichte Teil 7

Ob ich bereue, dass ich mir das alles in meinem Alter noch angetan habe,
haben mich meine Freunde am Anfang oft gefragt, wenn sie mich mit
hängender Zunge durchs Haus hetzen sahen und ich wieder einmal, wie
meistens seit Neuestem, nicht einmal mehr eine halbe Stunde für einen
kleinen Kaffeeplausch mit ihnen erübrigen konnte, weil ich vor lauter
Arbeit nicht wusste, wo mir der Kopf stand. Nein, ich bereue nichts!
Nicht, dass ich mir das mit dem HAUS FEUCHTL angefangen habe und auch sonst
nichts im Leben! Wo käme man denn da hin, wenn man mit so einem
Gejammere erst einmal anfängt, da könnte man ja, was weiß ich was alles,
im Nachhinein bedauern und sagen, dass man es bei einem zweiten Versuch
anders machen würde. Aber es gibt keinen zweiten Versuch, also muss man
es haben, wie es ist und das beste daraus machen. Außerdem bin ich
sowieso der Meinung, dass wir in unserem Tun und Handeln nicht annähernd
so frei sind, wie wir glauben. Weil, dass wir auf die oder eine andere
Art agieren ist ja meistens nur die Konsequenz dessen, was wir erlebt
haben. Also keine Spur von Freiheit.

Ich habe den HAUS FEUCHTL Virus in meinem Genen. Genauso wie mein
Großvater und meine Mutter. Im Blut, in den Knochen, in jeder Zelle
meines Körpers. Ich bin total infiziert davon. Wenn sich sogar mein Vati
damit angesteckt hat, wie hätte da ich davon verschont bleiben können?

Als junge Frau habe ich versucht, mich loszureißen, meinem
Leben mit aller Kraft eine andere Wendung zu geben, und was ist?
Jetzt bin ich doch wieder hier, arbeite siebzehn Stunden am Tag und bin zum ersten Mal in meinem Leben glücklich. 

Bei uns hat sich wirklich alles nur um das Haus gedreht. Das
Haus war unsere Burg, die uns Schutz und Sicherheit bot. Für meinen
Großvater ein Zeichen des Triumphs über seine Herkunft, für meine Mutter
ein Zeichen des Triumphs über ihren Vater und ich... ich habe mir immer
vorgestellt, dass ich, wenn es einmal mir gehört, etwas einzigartig
Schönes und Gutes daraus mache. Etwas, das mir selbst und den Menschen,
mit denen ich es zu tun habe, gut tut. Einen Art Gegenpol zu einer Welt,
in der alles nur mehr auf Gier und Ellbogentechnik aufgebaut ist. Und
wahrscheinlich auch einen Art Gegenpol zu meinen bäuerlichen Vorfahren
mütterlicherseits.

Dann ist es eben ein kleines Hotel, in dem ich meine Vorstellungen von
einer schöneren und besseren Welt in winzigstem Rahmen zu verwirklichen
versuche. Warum nicht? Ein Hotel, das seinen Gästen mehr als das bietet,
was sie üblicherweise bekommen. Etwas, wovon sie ein Leben lang zehren
würden können und sich mit einem Gefühl des Glückes daran erinnern.

Bereut habe ich es nie, aber hätte ich im Vorhinein gewusst, wie viel
Kraft und Geld es mich kosten würde, diesen seit über einem
Vierteljahrhundert still gelegten Betrieb zu revitalisieren, hätte ich
mich mit Sicherheit nicht darüber getraut.

Ich bin ja auch keine Geschäftsfrau, ich bin Künstlerin. Bei mir ist
nichts kalkuliert, bei mir ist alles, was ich tue, geprägt von Liebe und
Großzügigkeit. Habe ich zum Beispiel je darüber nachgedacht, was mich ein
Frühstück kostet? Nein, daran habe ich noch nie einen Gedanken
verschwendet. Wichtig ist mir nicht, was für mich 
herausspringt, sondern dass der Gast sich rundum wohl fühlt und
zufrieden ist. Mehr als zufrieden. Mein Bestreben ist es, den Menschen, die unter meinem Dach leben etwas mitzugeben, was ihr Leben in irgendeiner Form bereichert.
Wie du siehst, völlig ungeeignet als Geschäftsfrau. :-) 

Aber eine solche bin ich ja, wie gesagt, auch nicht und werde ich vermutlich auch nie sein. Ich will etwas Gutes und Wertvolles tun, das die Menschen, mit denen ich es zu tun habe und mich selbst, befriedigt und glücklich macht, das ist mein Firmen und Lebenskonzept. 

Nach dem Motto: Heile die Welt und beginne damit bei
dir selbst und dem Kreis in dem du dich bewegst. 


Geschrieben von Brigitte Niessner am 10 Apr. 2014 13:19
Diesen Inhalt auf Google+ teilen  Diesen Inhalt auf Facebook teilen
Eine Geschichte Teil 6

Dass meine Mutter, einmal das Haus erben sollte war nie geplant gewesen.Der Großvater hat das alles nur für seinen Sohn geschaffen. Für seinen
Anton, der sich nach dem Priesterseminar, zur großen Erleichterung
seiner Eltern, doch lieber für ein weltliches Leben entschieden hatte
und Lehrer geworden war.  Es muss für den Alten ein furchtbarer Schlag
gewesen sein, dass sein geliebter Sohn aus dem 2. Weltkrieg nicht mehr
heimgekehrt ist. Sein Erbe für den er das alles aufgebaut hatte. Sich
vorzustellen, dass seine Töchter einmal sein Lebenswerk bekommen
sollten, dieser Gedanke muss für ihn entsetzlich gewesen sein. Man hat mir
erzählt, dass er nach dem Tod des Sohnes, die Beiden jahrelang
gegeneinander ausspielte, indem er abwechselnd immer einer von ihnen
drohte, sie zu enterben und alles der Anderen zu vermachen, wenn sie
nicht parierte. Drohen und unterdrücken, das waren die Kategorien, in
denen er gedacht und gefühlt hat. So ist er aufgewachsen und so hat er
es weitergegeben. Als die Tante Maria als Folge dieses Psychoterrors,
wie es heißt, einige Jahre nach ihrem Bruder, ebenfalls das Zeitliche
segnete, ist ihm aber doch nichts anderes übriggeblieben, als sich mit
der Tatsache abzufinden, dass ausgerechnet seine Jüngste eines Tages
sein Erbe antreten würde. Das heißt, wirklich damit abgefunden hat er
sich nicht. Sobald ich auf der Welt war, dachte er sich sofort ein neues
sadistisches Spielchen aus. Wenn meine Mutter nicht das, oder das tat,
oder nicht tat, würde er sie enterben und mich als Alleinerbin
einsetzen. "Da schau", hat er gerne neben meiner Mutter zu seiner Frau
gesagt, wenn er mich gesehen hat "das ist die Erbin vom Neunerhaus."
Seinem Haus. Meine Mutter muss das alles sehr gekränkt haben, stelle ich
mir vor.

Meine ungarische Großmutter dagegen soll, wie man mir versichert hat,
die Güte und Sanftheit in Person gewesen sein. Sie hat ihre Hühner
geliebt und die Kinder, so gut sie konnte, versucht, vor der Willkür
ihres jähzornigen und ungerechten Mannes zu schützen. Ich habe sie die
"Busi Omama" genannt, weil sie ihre Hühner immer mit "busi, busi"
angelockt hat.

Mein Vati hat mir erzählt, dass sie ihm immer, wenn er raus gekommen
ist, einen Rucksack voll mit Lebensmitteln mitgegeben hat. Und raus
gekommen ist er oft. In der ersten Phase des Verliebtseins, jeden Abend.
Und in der Nacht ist er zu Fuß nach Wien heimgegangen.

Mein Vati stammte nicht von  Bauern ab. Er wuchs in einer Stadtwohnung
auf, mit Büchern und einem Klavier. Und Kino- und Theaterbesuchen. Und
einer Schwester, die Ballerina an der Staatsoper war. Der Großvater
väterlicherseits war Jude, ein kleiner jüdischer Gewerbetreibender, der
seinen Kindern ganz andere Werte mitgeben wollte, als mein Tiroler
Großvater. Liebe und Geborgenheit und Eltern, die immer für sie da sein
würden. Dass mein Vati sich ausgerechnet in dieses Bauernmädchen
verliebt hat!

Glücklich waren meine Eltern nicht mitsammen, da waren sie viel zu
unterschiedlich, aber ich glaube, sie hatten beide, auf ihre spezielle
Weise, ein erfülltes Leben. Die Liebe zu ihrem Haus, hat sie die
Lieblosigkeit in ihrer Beziehung vergessen gemacht. Zu diesem, von mir
als Kind und junger Frau so oft verfluchtem Haus, das, meiner Meinung
nach, schuld daran war, dass meine Mutter mich nie als einen geliebten
Menschen, ihr geliebtes Kind, sondern immer nur als die Erbin gesehen
hat. Die Erbin, die genauso zu spuren hatte, wie sie es gemusst hat. Die
Erbin, die diesem Erbe alles andere unterzuordnen hatte, wenn sie nicht
für immer aus dem Paradies verbannt werden wollte. Ich kann mich nicht
erinnern, dass in unserem Leben irgendetwas auch nur annähernd so
wichtig gewesen wäre wie das Haus.

>Während es für meine Mutter aber vor allem ein Mittel zum Machtausbau
und Erhalt derselben war, wurde es für meinen Vati immer mehr und mehr
zu einem Kunstobjekt, an dem er seine Träume und Fantasien ausleben
konnte. Später hat er mir einmal erzählt, dass es sein größtes Glück
war, abends im Bett zu liegen, sich vorzustellen, was er als Nächstes
daran ausbauen oder verschönern wollte und mit diesen Gedanken ein zu
schlafen. Für meinen Vati war das Haus ein lebenslanges Kunstwerk.

Vielleicht ist das der  Grund, warum ich es nicht verkauft  oder nieder
reißen lassen habe. Weil es ein Kunstwerk ist. Ein einzigartiges
Kunstwerk, an dem der Künstler Franz Feuchtl ein Leben lang gearbeitet
hat. Ein Kunstwerk an dem man zu jeder Sekunde die Liebe des Meisters zu
seinem Objekt spüren kann. 


Geschrieben von Brigitte Niessner am 07 Apr. 2014 12:08
Diesen Inhalt auf Google+ teilen  Diesen Inhalt auf Facebook teilen
 
Eine Geschichte Teil 5

Der Großvater mit seiner Lieblingskuh Luise, die eines Tages über die hohe Böschung zum Nachbargrundstück hinunter gesprungen ist und sich das Genick gebrochen hat.Lieblingskuh Luise

Geschrieben von Brigitte Niessner am 03 Apr. 2014 17:28
Diesen Inhalt auf Google+ teilen  Diesen Inhalt auf Facebook teilen
Eine Geschichte Teil 4
Dass das Betreiben eines mittleren oder kleinen Hotels heutzutage alles andere als einfach ist, muss man leider als Tatsache ansehen. Eines großen, oder gar einer Kette, vielleicht auch, aber die werden es halt mit der Masse machen. Die können konkurrenzlos billig sein, weil selbst wenn ihnen pro Nacht und Zimmer, sagen wir, nur 10 Euro bleiben, naja, bei tausend Zimmern…. Ich habe aber nur 12. Da muss man sich, um preis- und leistungsmäßig mithalten zu können, schon verdammt anstrengen.

Sag, bist du verrückt, haben mich meine Freunde und Bekannten gefragt, als ich ihnen vor drei Jahren eröffnet habe, dass ich beabsichtige, das seit mehr als einem Viertel Jahrhundert geschlossene ehemalige kleine Hotel meiner Eltern wieder zu eröffnen. Du bist Künstlerin, du hast doch überhaupt keine Ahnung von so was. Du hast ja überhaupt keine Vorstellung, was da alles an Schwierigkeiten auf dich zukommen wird. So ein altes, seit mehr als 20 Jahren, unbewohntes Haus, da muss doch alles neu gemacht werden und wenn dann keine Gäste kommen… Ich soll mir das doch, um Gottes Willen, alles noch einmal wirklich gründlich überlegen. Aber die hatten leicht reden, die waren ja nicht so infiziert vom HAUS FEUCHTL Virus wie ich. Bei uns hat sich, seit ich zurückdenken kann, das ganze Leben um nichts anderes gedreht als um die Gäste. Wie man es ihnen noch ein bisschen feiner machen könnte. Oder das Haus vergrößern, um mehr davon zu beherbergen. Die Gäste, die Gäste, immer nur die Gäste. Als Kind war ich richtig eifersüchtig auf all die vielen fremden Menschen, die meinen Eltern offenbar weitaus wichtiger waren als ich. Immer nur die Gäste.

Ich war Tänzerin und Malerin, habe eine Ausbildung zur Opernsängerin, aber in meinem Herzen wollte ich, komischerweise, später auch immer nur das Eine: Diese, in meinen Augen, schönste und gemütlichste Pension der Welt betreiben. Warum sich dieser Lebenstraum erst mit fast schon 60 Jahren, in einem Alter also, wo sich bei anderen schon alles um den wohlverdienten Ruhestand dreht, erfüllte, ist eine Geschichte, auf die ich jetzt nicht näher eingehen will. Ich werde aber, bei Gelegenheit, darauf zurückkommen. Ich fürchte, das wird mir nicht erspart bleiben.

Zu Ostern hat der Vati einmal, das wird mir ewig in Erinnerung bleiben, am sogenannten Ostersonntag, auf jedes Frühstücksei das Portrait des jeweiligen Gastes gemalt. Das musst du dir einmal vorstellen, dreißig, oder zweiunddreißig Gäste und jeder bekommt ein Osterei mit einem handgemalten Konterfei von sich! Die hatten wirklich nichts anderes im Kopf als ihr Hotel, meine Eltern.

Im Sommer hat die Mutter jeden Tag die ganze Bettwäsche von den Gästen in den Garten geschleppt und in die Sonne gelegt, damit sie abends, wenn sie heim kommen, nur ja ganz besonders gut riecht. Und der Vati hat die Gäste im Auto herumkutschiert, um ihnen die Sehenswürdigkeiten der Umgebung zu zeigen. Manchmal musste ich auch mitfahren, aber davon sind die Eltern bald wieder abgekommen, weil mir beim Autofahren meistens schlecht wurde und sie alle paar Meter anhalten mussten, damit ich in einen Straßengraben kotzen konnte.

Und wenn Sie dann spät abends heimgekommen sind hat die Mutter sich noch hingestellt und Salamibrötchen geschmiert und Bier mit Himbeersaft, das damalige Lieblingsgetränk der deutschen Gäste kredenzt. Und der Vati hat allen eine Gute Nacht und süße Träume gewünscht.

Wenn sie dann schließlich wieder abgereist sind, hatte sich zwischen meinen Eltern und ihren Gästen nicht selten eine lebenslange Freundschaft entwickelt.

Jetzt verstehst du vielleicht, warum ich gar nicht anders konnte, als in ihre Fußstapfen zu treten. Zumindest ein bisschen, verstehst du es jetzt möglicherweise. Weil manchmal verstehe ich ja selbst nicht, warum ich mir das alles jetzt noch antue. Aber vielleicht ist es ja wie lieben, man weiß selbst nicht so genau warum gerade der oder die, aber man ist verliebt. Ich glaube, ich bin auch ein bisschen verliebt in meine kleine, feine Pension HAUS FEUCHTL in Purkersdorf bei Wien.

Fortsetzung folgt J
Geschrieben von Brigitte Niessner am 28 März 2014 19:29
Diesen Inhalt auf Google+ teilen  Diesen Inhalt auf Facebook teilen
Eine Geschichte Teil 3
Ja, klein war damals wohl alles. Klein und niedrig und beengt. Die schmale Hühnerleiter, die zum Dachboden führte, wo die Frau Sedlacek aus Wien bald jedes Jahr im Juli und August ihre Ferien verbrachte... Aber von fein natürlich keine Spur.
An die Frau Sedlacek kann ich mich sogar noch erinnern. Die ist auch noch gekommen, als es mich schon gegeben hat. Wenn sie im Haus war musste ich immer ganz leise sein. Da hat sich alles nur um sie gedreht, damit sie nur ja zufrieden ist. Die Frau Sedlacek war, glaub ich, unser erster Gast.
Mein Großvater war ein tüchtiger Mann, daran gibt es keinen Zweifel, aber auch ein harter und herzloser. Seine erstgeborene Tochter Maria zog er auf, wie er wahrscheinlich selbst auch als Kind behandelt worden war. Mit der Pferdepeitsche. Sie wurde, genau wie später ihre jüngere Schwester, meine Mutter, beim kleinsten Vergehen ganz fürchterlich bestraft. Seine schöne Frau liebte und vergötterte der Großvater, die Kinder jedoch waren für ihn nicht mehr wert als das Nutzvieh. Eher weniger. Zumindest die beiden Mädchen. Mit seinem Sohn Anton, dem Mittleren der Drei hatte er hingegen Großes vor. Er sollte einmal klug und gelehrt werden. Der brauchte auch nicht am Hof zu arbeiten, sondern wurde in die besten Schulen geschickt. Das Geld dafür sparte der Alte sich buchstäblich vom Mund ab, damit der Bub es einmal besser und leichter im Leben hat als er. Der Anton sollte einmal das erreichen, was ihm selbst verwehrt war.
Als seine jüngste Tochter, Julia, meine Mutter, geboren wurde, war der erste Weltkrieg gerade vorbei, die Zeiten waren schlecht, und die Wiener, die früher gar nicht genug bekommen konnten von den Erdbeeren und Fruchtschnäpsen der Großvaters, blieben schon längst aus. Im Stall stand nur noch eine einzige Kuh, die letzte, die er noch nicht verkaufen hatte müssen, auf der Wiese hinter dem Haus graste eine einsame Geiß und im Hof pickten ein paar magere, zerzauste Hühner herum.
Das letzte Kind war unerwünscht, war, wie man sagt, passiert, aber die älteste Tochter war inzwischen ohnehin schon aus dem Haus, der Sohn im Priesterseminar und eine Arbeitskraft mehr konnte nicht schaden.
Meine Mutter hat mir nicht viel über ihre Kindheit erzählt, aber das Wenige hat mir gereicht. Sie war ein schwaches, kränkelndes Kind, das vor Angst immer in die Hose gemacht hat, wenn sie um vier Uhr in der Früh durch den finsteren Wald gehen musste, um die Milch auszutragen. Von den paar Groschen, die sie dabei verdienten, lebten sie mehr schlecht als recht. Und vom Gemüse, das der Großvater jetzt auf dem einzigen Feld, das er noch besaß, anbaute. Und natürlich von dem, was die Frau Sedlacek bezahlte. Sollte man vielleicht auch noch den Stall für Sommerfrischler herrichten?
Fortsetzung folgt..
Geschrieben von Brigitte Niessner am 27 März 2014 13:16
Diesen Inhalt auf Google+ teilen  Diesen Inhalt auf Facebook teilen
Eine Geschichte Teil 2
Die Lehmhütte, die er inzwischen stolz sein Eigen nannte, hat er ganz allein gebaut. Das Maurern und Steine so aufeinander zu schichten, dass sie ein Leben lang, oder länger, allen Unwettern trotzen, das hat er sich alles selbst beigebracht, mein Tiroler Großvater. Hinter dem Haus hat er Obstbäume gepflanzt und im winzigen Vorgarten wuchsen Tomaten und Gurkenstauden. Sogar ein kleines Erdäpfelfeld hat er auf dem schmalen Streifen Land neben seiner Hütte angelegt. Vom Verkauf der Früchte und des Obstes hat er sein bescheidenes Leben gefristet. Und von der Milch der Kühe, die er sich inzwischen auch noch zugelegt hatte. Später kamen noch Hühner und Ziegen dazu und es ist ihm gelungen sich noch ein paar Hektar Ackerland zusätzlich zu erwirtschaften. Man kann sagen, er hat in kurzer Zeit ganz schön viel erreicht, der halb wilde Bergbauernsohn, aber in seinem Herzen muss er sich, trotz allem, immer noch als Außenseiter gefühlt haben.
Dass ihm die jungen Frauen aus dem Dorf am Sonntag in der Messe zulächelten, das mag ja schmeichelhaft für ihn gewesen sein, aber mit einer von ihnen ein Gespräch anzufangen, das war schon eine andere Sache. Was redete man denn mit einer, deren Vater der Dorfarzt war, oder der Herr Oberlehrer? Einer wie er, der noch nicht einmal gelernt hatte, mit Messer und Gabel zu essen und dessen Wortschatz sich vermutlich nur auf die notwendigsten Begriffe des Alltags beschränkte.
Für das glutäugige Zigeunermädchen mit den langen pechschwarzen Zöpfen aber war er ein Gott. Jemand der gesellschaftlich weit über ihr stand. Sie würde ihn ein Leben lang anbeten und zu ihm aufschauen, da konnte er sich sicher sein.
Als Maria seine erste Tochter geboren wurde, war er, Dank einer, für damalige Zeiten, absolut innovativen Geschäftsidee, schon ein durchaus angesehener und von der Dorfgemeinschaft voll und ganz akzeptierter Bürger Purkersdorfs. Während auf den anderen Feldern rundherum Erdäpfel, Rüben und anderes Gemüse, oder Getreide angebaut wurde, hatte mein komischer Tiroler Vorfahre den Einfall, süße Erdbeeren für die reichen Städter anzubauen. Ausgerechnet Erdbeeren! Noch kein normaler Mensch hatte hier jemals Erdbeeren gepflanzt. Kein normaler Mensch wäre auf eine solche Idee gekommen! Aber seine Rechnung ist aufgegangen. In Scharen sind sie herausgekommen, die Wiener. Jedes Wochenende. In ihren eleganten Kutschen und vornehmen Gewändern. Und konnten gar nicht genug bekommen von der köstlichen Delikatesse! Jahrelang sind sie zur Erntezeit heraus gepilgert,  um sich die süßen Leckerbissen schmecken zu lassen. Wenn sie schon so gerne meine Früchte essen und sich meinen Schnaps munden lassen, mittlerweile gab es ein weiteres Angebot in seinem Sortiment: Apfel, Aprikose und Pflaumenschnaps aus dem eigenen Obstgarten ..., also, wenn ihnen das alles so gut schmeckt und gefällt, die köstlichen Früchte, die herrliche Natur und der gute Schnaps:-) ...,  vielleicht haben sie ja auch Lust, einmal hier zu übernachten, im würzig duftenden Heu und sich am nächsten Morgen mit frischer, noch vom Kuheuter dampfender Milch und warmen Bauernbrot verwöhnen zu lassen? Vielleicht sogar ihre Sommerfrische, wie man seine Ferien damals genannt hat, hier zu verbringen, wird sich der Großvater gedacht haben. Zumindest den Dachboden könnte man ja einmal ein bisschen zum Vermieten herrichten.
Das war, kann man sagen, die Geburtsstunde des kleinen, feinen Hotels HAUS FEUCHTL in der Wienerwaldstadt Purkersdorf bei Wien.
Geschrieben von Brigitte Niessner am 24 März 2014 13:38
Diesen Inhalt auf Google+ teilen  Diesen Inhalt auf Facebook teilen
Eine Geschichte
Es muss um das Jahr 1890 gewesen sein, als sich ein junger Mann aus ärmsten Verhältnissen von den Tiroler Bergen aus aufmachte, sein Glück in der fernen Großstadt Wien zu finden. Ein altersschwacher, vom Hunger ausgemergelter Gaul und ein Leiterwagen mit seinen wenigen Habseligkeiten war alles, worauf er sein neues Leben bauen konnte. Und sein Ehrgeiz, es unter allen Umständen zu etwas bringen zu wollen. Dieser unbändige Ehrgeiz, seinem vom Schicksal vorgezeichneten Weg, unter allen Umständen zu entkommen, seinem Leben als Kleinhäusler irgendwo in der gebirgigen Einöde zu entfliehen und es hier in der großen, weiten Wiener Stadt, zu etwas zu bringen.

Mag sein, dass Ihn die fremde Stadt mit all den vielen Menschen, die so ganz anders waren, als die wenigen Bergbauern, die er bis dahin gekannt hatte, ihn dann aber ängstigte, mag sein, dass es sein alter Gaul nur bis vor die Stadttore schaffte, wo er sich erschöpft niederlegte und trotz der Peitschenhiebe meines Großvaters, sich nicht mehr aufraffen konnte und verstarb. Jedenfalls konnte sich der junge Tiroler, mein Großvater, wie gesagt, schon wenige Jahre später, Besitzer einer winzigen Keusche nennen. Zwar nicht in der Großstadt selbst , aber immerhin in einem Vorort, nur knapp einen Kilometer entfernt davon.

Er war ein schöner Mann mit schwarzen Haaren, feurigen Augen und inzwischen auch einem bescheidenen Ansehen und am Sonntag in der Kirche sahen die jungen Mädchen ihm mit schwärmerischen Blicken nach.

Als er sich schließlich für eine entschied, war er schon weit über dreißig. Und es war auch keine aus dem Ort, die er sich zu seiner Frau erkor, sondern eine Außenseiterin wie er. Meine Großmutter kam aus Ungarn und war eine Roma Zigeunerin.

Fortsetzung folgt :-)
Geschrieben von Brigitte Niessner am 20 März 2014 11:02
Diesen Inhalt auf Google+ teilen  Diesen Inhalt auf Facebook teilen
 

Share